Lindenblüten – ein fROHer Genuss

Ich liebe Lindenbäume. Ich mag ihre Form, ihr beruhigendes schattenspendendes Sein, sowie die köstlichen Blätter und Blüten. Früher war oftmals ein Lindenbaum der Mittelpunkt eines Dorfes. Die Linde galt als Symbol für Frieden, Gerechtigkeit und Treue. Unter ihr wurden Feste gefeiert, Gericht gehalten oder sich ewige Treue geschworen.

„Schon um die Linde war es voll und alles tanzte schon wie toll!“  Goethe

Es gibt viele Lindenarten in Europa und Westeuropa. Für Heilzwecke werden vor allem die Blätter und Blüten der Winter- und Sommerlinde genutzt.

Unterschiede zwischen Sommerlinde und Winterlinde

Winterlinde

  • bis zu 30 m hoch
  • die Blattunterseite ist rosa rot behaart
  • 3 bis 16 gelblich- grüne Blüten bilden den Blütenstand
  • blüht im Juni/ Juli

Sommerlinde

  • bis zu 40 m hoch
  • größere Blätter
  • die Blattunterseite ist weiß behaart
  • 2 bis 8 Blüten bilden den Blütenstand
  • blüht im Mai

Ich liebe die  leicht herzförmigen Lindenblätter und ihren angenehm milden, leicht nussigen Geschmack. In diesem Artikel geht es vor allem um die Blüten.

Lindenblüten

Inhaltsstoffe der Lindenblüten

Sie enthalten Flavonoide (gehören zur Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe), Schleimstoffe, ätherische Öle, Saponine, Gerbstoffe, Gerbsäure, Farnesol,  Mangan und Vitamin C.

Wie wirken Lindenblüten?

Sie wirken beruhigend, schweißtreibend, entspannend, blutreinigend, entzündungshemmend und harntreibend.

Anwendungsbereiche von Lindenblüten

Die in den Lindenblüten enthaltenen Schleimstoffe beruhigen gereizte Schleimhaut. Da die Lindenblüten schweißtreibend wirken, helfen sie bei Erkältungen und grippalen Infekten.

Weiterhin kommen sie zur Anwendung bei Kopfschmerzen, Migräne, Schlaflosigkeit, Bluthochdruck, Rheuma, Unruhe, Angstzustände, Verdauungsbeschwerden und der Wundheilung.

Lindenblüten schützen das Immunsystem und stärken die Abwehrkräfte.

Anwendung/ Verwendungsweise von Lindenblüten

Am häufigsten werden getrocknete Lindenblüten für Tees verwenden. Diese findet man auch in Teemischungen gegen Erkältungen. Lindenblütentee mildert auch die Spannungsschmerzen vor oder während der Menstruation.

Aus Lindenblüten und Alkohol lassen sich auch Tinkturen herstellen, die man wie den Lindenblütentee äußerlich (Umschläge, Waschungen, Bäder) und innerlich anwenden kann.

Ein Lindenblütenbad sorgt für absolute Entspannung: zwei Handvoll Lindenblüten mit 1 Liter kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen, abfiltern und ins Badewasser geben.

Lindenblüten pflücken

Wie erntet man am besten Lindenblüten?

Der Wirkstoffgehalt in den Lindenblüten ist 1 bis 4 Tage nach dem Öffnen der Blüten am größten.

  • ernte die Blütenstände mit dem pergamentartigen Hochblatt
  • trockne die Blüten schnell und luftig (Sonne, warme Lufttemperatur, Dörrgerät bei 20 Grad)
  • bewahre die getrockneten Blüten in gut verschließbaren dunklen Gläsern auf (sie sind sehr luft- und lichtempfindlich)

Wichtig!

Die sedierende Wirkung der getrockneten Blüten nimmt bei Lagerung schnell ab. Pflücke die Blüten jedes Jahr frisch! Verwende ältere Blüten einfach für ein entspannendes Bad. Es duftet herrlich und pflegt die Haut.

Menschen reagieren unterschiedlich auf Heilkräuter/ Heilblüten. Nach dem Genuss von Lindenblüten (in hoher Dosis) sollten keine schweren Maschinen bedient oder gar Auto gefahren werden. Möglicherweise entspannen die Blüten zu sehr und fördert das Einschlafen.

Ein Hoch auf die leckeren Lindenblüten

Lindenblüten sind total lecker! So süß, so aromatisch! Schon mal probiert? Meine Jungs sind ganz wild darauf! Die vorbeilaufenden Leuten schauen manchmal irritiert: „Was essen die denn da?“ und drehen sich immer wieder verwundert nach uns um. 🙂

Übrigens hat mich mein heute 10-jähriger Sohn Simon als 3-jähriger darauf gebracht die Blüten zu probieren. Ich habe mich damals auf wildes Grün konzentriert und nur die Blätter im Auge gehabt. Wir wohnten damals in der Nähe einer Lindenblütenallee und beim Vorbeispazieren zeigte er immer auf die Lindenbäume hoch und rief „Lolli, Lolli essen“. Es stellte sich etwas später heraus, dass sein damaliger Tagesvater mit seinen Kindern ab und zu Lindenblüten aß. Diese Gewohnheit haben wir bis jetzt beibehalten und seit letztem Sommer ist auch der 6-jährige Silas davon infiziert und isst die Blüten fleißig mit. 🙂

Lindenblüten pflücken

Am liebsten genießen wir die Blüten im rohen Zustand, einfach vom Baum pflücken und ab in den Mund.

Allerdings fasziniert mich auch der Gedanke diesen tollen Blütenduft als Geschmack einzufangen. Dieser süße intensive Duft ist einfach berauschend und läutet bei mir den Sommer ein.

Früher haben wir aus den Lindenblüten oft Lindenblütengelee hergestellt. Das ist in den letzten 2 Jahren etwas eingeschlafen, da ich ja eher die Blüten roh verwenden möchte. Auf Wunsch meiner Jungs stellen wir dieses Jahr wieder ein Lindenblütengelee her. Dies hat keine Rohkostqualität, ist allerdings eine köstliche Alternative zu gekauften Fruchtaufstrichen.

Als Süßungsmittel verwendeten wir die letzten Male Agavendicksaft, nun versuchen wir das erste Mal das Gelee mit Birkenzucker (Xylitol)* zu süßen. Dieser Zucker hat den Vorteil nicht von Kariesbakterien verdaut werden zu können und eignet sich auch super als Zutat für selbstgemachte Zahnpasta. Für das Gelieren verwenden wir Agar- Agar, ein pflanzliches Geliermittel, welches in Bioläden erhältlich ist.

Rezept für ein Lindenblüten- Apfelgelee

Zutaten:

  • 2 mal eine Doppelhandvoll frisch gepflückte Lindenblüten
  • 1 Liter naturtrüber Apfelsaft (wenn möglich in Bioqualität + Glasflasche)
  • alternative Süßungsmittel nach Wahl (Apfeldicksaft, Agavendicksaft oder Birkenzucker).
  • Agar- Agar* (pflanzliche Gelantine)

Zubereitung:

  1. Schütte den Apfelsaft in eine Glasschüssel oder einen Topf und weiche die Lindenblüten über Nacht darin ein.
  2. Seihe die Lindenblüten mithilfe eines feinmaschigen Siebes ab. Es sollten keine Blüten oder andere Pflanzenteile zurückbleiben.
  3. Koche den Saft auf und füge soviel Süßungsmittel hinzu wie Du magst (circa 150 bis 200 g).
  4. Rühre Agar Agar (Mengenangabe für die erforderliche Flüssigkeit steht auf der Verpackung) in etwas kalter Flüssigkeit an und schütte es in den kochenden Saft. Verrühre es gut mit einem Schneebesen und lasse es circa 5 Minuten kochen.
  5. Schütte die Flüssigkeit in heiß ausgespülte Gläser, schraube diese zu und lasse sie eine Weile auf dem Deckel stehend stehen.
  6. Wunder Dich nicht! Das Gelee wird erst fest, wenn es vollständig abgekühlt ist.

Der Vorteil von Agar Agar besteht darin, dass man das damit zubereitete Gelee bei Bedarf (wenn es zu fest oder noch zu flüssig ist) wieder erhitzen kann und entweder mehr Apfelsaft hinzufügt oder noch etwas mehr Agar Agar.

Tipp: Dieses Gelee lässt sich auch wunderbar mit Holunderblüten herstellen.

Meine Buchempfehlungen für Dich: Essbare Wildpflanzen. 200 Arten bestimmen* und Essbare Wildkräuterund ihre giftigen Doppelgänger*.

Teile den Artikel mit Deinen Freunden, wenn er Dir gefallen hat! Verwendest Du Lindenblüten? Hinterlasse gern einen Kommentar unter diesem Artikel.

Sonnige Grüße

Deine Silke

Bei den mit einem * markierten Links handelt es sich um Affiliatelinks. Ich bin in verschiedenen Partnerprogrammen und werde am Umsatz jeder Bestellung über diese Links beteiligt, ohne dass es Mehrkosten für Dich als Kunden gibt. Damit unterstützt Du meine Arbeit. Ganz lieben Dank.

P.S. Du kannst Dich gern für meinen Newsletter eintragen, dann erhälts Du regelmäßig frische Post. Ich informiere Dich über Neuigkeiten und Projekte. Lass Dich vom Rezept des Monats inspirieren und erfahre wissenswertes zum Wildkraut des Monats. Zögere nicht und werde Teil der LEBE ROH, GESUND UND FROH Gemeinschaft. 🙂 Verbinde Dich mit mir auf Facebook, folge meiner FB Seite „Lebe roh, gesund und froh“ und abonniere meinen Youtubekanal. Dann bist Du immer auf dem neuesten Stand.

8 Gedanken zu “Lindenblüten – ein fROHer Genuss

  1. Liebe Silke,
    hast du auch Rohkost-Rezeptideen für Holunderblüten und Rosenblüten? Mir ist dazu noch nicht so viel eingefallen, im Smoothie gehen die Blüten ein bisschen unter.
    Sonnige Grüße aus Wernau,
    Silvi

    • Liebe Silvi, zum Beispiel kann man mit den Holunder- un.d Rosenblüten auch ein Gelee mit Apfelsaft machen, so wie ich es im Artikel beschrieben habe. Roh verwende ich die Blüten als essbare Deko für Salate oder Dipps oder nasche sie mal so zwischendurch. Im Smoothie habe ich sie noch nicht probiert. Blüten essen ich lieber pur. lg Silke

  2. Liebe Silke,

    ich liebe den Duft der Lindenblüten auch sehr und esse die Blüten jetzt noch – dank deines Blogeintrags – umso lieber. Ich muss dabei immer an meinen verstorbenen Vater denken, der kurz vor seinem Tod das Lied vom Lindenbaum sang:

    Am Brunnen vor dem Thore
    Da steht ein Lindenbaum:
    Ich träumt’ in seinem Schatten
    So manchen süßen Traum.

    Wunderbar, diese Linden. GlG Marina

  3. Danke, liebe Silke für eine Tolle Anregung. Ich liebe den Duft der Lindenblüten und konnte bisher mit Ihnen nicht so viel anfangen. Gehe heute sammeln.
    Sonnige Grüße
    Natalja

  4. Sehr interessant Dein Beitrag, liebe Silke. Lindenblüten habe ich bisher noch nicht probiert, werde das aber nun nachholen. Danke für die wertvollen Infos.

  5. Liebe Heike,
    heute habe ich Lindenblütengelee gemacht. Im letzten Jahr ebenfalls und ich habe das Gefühl, das herrliche Aroma ist dieses Mal irgendwie nicht eingefangen worden (nach 24h einweichen).
    Habe den Gelee relativ lange gekocht, weil ich das Gefühl hatte, er geliert nicht (Dr.Oetker 3:1), dann einen Spritzer Zitrone rangemacht.
    Hast Du eine Idee, was passiert sein könnte? Habe ich es zu oft gefiltert/ zu lange gekocht/ Zitrone hat den Geschmack genommen….? Wäre über einen Tipp sehr dankbar, damit mir das im nächsten Jahr nicht wieder passiert.
    vielen Dank, lg
    Connie

    • Liebe Connie,

      es kann auch sein, dass an den BLüten nicht mehr so viel Blütenstaub haftete. Nach Regen und stärkeren Wind kommt das vor. Dann schmeckt das Gelee auch nicht mehr so aromatisch. Sobst wüsste ich keinen Rat. Zu lange kochen vielleicht? Ich bereite das Gelee mit Agar Agar zu und koch es maximal 5 Minuten.

      LG
      Silke

Schreibe einen Kommentar