Geschmack ist eine Reaktion des Gehirns

Das Thema Geschmack begleitet mich schon viele Jahre durch meine langjährige Ernährungsumstellung von Normalkost auf vegetarisch, dann vegan bis hin zur Rohkost.

In den letzten 24 Jahren gab es immer wieder Menschen in meinem Umfeld, die zu meinen alternativen Essgewohnheiten sagten: „Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, auf dies und das zu verzichten“ und „Ich will mein Essen genießen„. Und ich wurde und werde auch immer gefragt: „Kannst Du dein Essen überhaupt noch genießen? Hast Du überhaupt noch Freude am Essen?

Wenn Menschen sich vorstellen, dass sie auf lieb gewordene Nahrungsmittel wie Fleisch, Milchprodukte, Eis, Pizza, Fertigprodukte, Käse, Brot oder auch Genussmittel wie Kaffee und Alkohol verzichten müssen, dann haben sie das Gefühl, auch sehr viel Genuss damit zu verlieren.

Sie denken, diese Lebensmittel üben immer den gleichen Reiz aus und wenn sie ohne diese Lebensmittel oder ohne diese Genussmittel leben, dann würden sie auf ganz viel verzichten.

Sie kennen es eben nicht anders.

Sie vergessen: Genuss ist eine Empfindung, die in uns stattfindet. Genuss ist nicht in Lebensmitteln oder Genussmitteln an sich vorhanden.

Genussempfindungen, Geschmacksempfindungen sind veränderbar.

Ich habe das auch in den letzten 24 Jahren bei mir festgestellt. Nach und nach verzichtete ich auf tierische Produkte, dann später auf Fertigprodukte, dann auf Zucker und Brot.

Ich ernähre mich nur noch von frischen bzw. ab und zu auch von gedörrten Lebensmitteln. Es steckt so eine Leichtigkeit dahinter und ich kann viele frische Speisen unglaublich gut genießen.

Für mich ist es zum Beispiel ein unglaublicher genialer Genuss, richtig reife regionale Ochsenherztomaten zu essen. Das ist ein absoluter Hochgenuss, den ich jeden Sommer feiere. Meine liebste Monomahlzeit.

Monomahlzeiten haben es mir angetan, weil sie mein Genussempfinden sensibilisieren. Ich tauche voll ein in dieses Geschmackserlebnis. Normalesser können sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen, dass nur einen Frucht so einen Hochgenuss auslösen kann.

Auch sehr genial: Feigen als Monomahlzeit. In diesen Genuss bin ich letztes Jahr während unseres Sardinienurlaubs gekommen. Einfach herrlich.

Der Prozess der Geschmacksveränderung hat sich bei mir über mehrere Jahre hingezogen. Jetzt brauche ich nur wenige Reize, um in den Hochgenuss zu kommen.

Seit einigen Jahren experimentiere ich mit Wildkräutern und bin immer wieder begeistert, wie verschieden die Wildkräuter schmecken und welch einen Genuss und eine Zufriedenheit sie in mir hervorrufen und mich dadurch sehr gut sättigen.

Was ist Geschmack und was schmeckt mir?

Es bedarf einer längeren Zeitspanne, einer starken Willenskraft, um diese alten Konditionierungen, diese alten Glaubenssätze, auf die wir als Kind geprägt wurden, aufzubrechen und auf das eigene Körpergefühl, auf die eigene Intuition zu hören.

Entdecke Dein Geschmacksempfinden neu. Entdecke Dein Genussempfinden neu und stelle fest, mit wie wenig Reizen Du zufrieden sein kannst.

Geschmack ist keine objektive Eigenschaft des jeweiligen Nahrungsmittels,  sondern ist eine individuelle, höchst labile Angelegenheit des Gehirns. Der Geschmack ist antrainiert und orientiert sich in den wenigsten Fällen an einer hohen Qualität oder Wertigkeit der Nahrungsmittel.

Wildtiere besitzen einen Instinkt für die biologische Wertigkeit von Nahrungsmitteln. Uns Menschen und auch den meisten Haustieren ist dies verlorengegangen. Und da uns dieser dominante Instinkt für eine hohe Wertigkeit der Nahrungsmittel abhanden gekommen ist, sind wir auch ziemlich empfänglich für diese geschmacksintensive, aber vitalstoffarme Zivilisationskost, die uns längerfristig krank macht.

Ernährung allein macht uns nicht krank, Umweltgifte und andere Faktoren kommen auch hinzu. Unsere Ernährung spielt allerdings längerfristig gesehen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Krankheiten und zeigt seine Auswirkungen oftmals erst nach Jahrzehnten.

Bei vielen Menschen geht es oft um die Befriedigung des Geschmackserlebnisses in möglichst großer Fülle und das immer wieder. Immer so viel wie möglich und so oft wie möglich. Man kann schon von Genusssucht sprechen.

Heute gibt es eine große Auswahl an Lebensmitteln. Jeder kann sich aussuchen, was er essen möchte. Aber diese Freiheit, die dadurch impliziert wird, ist die wirklich in der Realität so?

Unser Essverhalten ist uns anerzogen, ist also eine Sache der Erziehung, in den meisten Fällen auch von ausgeklügelter Werbung.

Viele Menschen fühlen sich persönlich angegriffen bzw. in Frage gestellt, wenn ihre Ernährungsweise kritisiert wird.

Das Wissen über wirklich gesunde Nahrung ist eher dürftig, ebenso wissen die wenigsten Menschen wirklich über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Krankheiten Bescheid, übrigens wie auch die meisten Ärzte.

Die WGO hat festgestellt, 70% aller Arztbesuche sind ernährungsbedingt. In einem Medizinstudium spielt Ernährung  nur eine Randrolle. Wenn es um Krankheitssymptome oder den Krankheitsverlauf geht, dann spielt die Ernährung überhaupt keine Rolle. Es muss aufgeklärt und weiter informiert werden. Es gibt genügen Menschen, die bestimme Krankheiten mit einer Ernährungsumstellung ohne Medikamente abmildern konnten.

Haben wir ein Ernährungsbewusstsein?

Die größte Begrenztheit liegt in den Menschen selber. Wir sind uns selbst der ärgste Feind. Denn auch wenn die meisten Menschen alle Fakten auf dem Tisch liegen hätten, genauestens informiert wären über Ernährung, den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit, viele von uns würden nicht den Schritt gehen, ihre Ernährung umzustellen.

Viele Menschen sind in ihren Gewohnheiten und Gelüsten gefangen. Viele essen auch aus emotionalen Gründen. Die eigene Komfortzone zu verlassen ist die größte Herausforderung für viele Menschen.

Bitte vergiss nicht: Das Verlangen nach einem bestimmten Lebensmittel und nach einem bestimmten Geschmack, ist kein bewusster Akt, sondern eine antrainierte Gewohnheit, die fest in unseren Unterbewusstsein gespeichert ist.

Geschmack ist nicht in Nahrungsmitteln enthalten, sondern eine Tätigkeit unseres Gehirns. Und wie Dinge uns schmecken ist eine veränderliche Erfahrung.

Christian Opitz

Und hier noch 2 Kommentare zu diesem Thema:

Interessantes Thema aus einem zunächst anderen Grund: ich merkte, dass während und nach dem Fasten Geruchssinn und danach auch Geschmackssinn  empfindsamer wurden. Ich sehe es nicht nur als Sache der Prägung oder Einstellung, sondern auch so, dass die ungeeignete Ernährung nicht nur den Körper krank macht und degeneriert, sondern auch die Sinne stark dämpft und abstumpft – was durch entsprechende Lebensweise wieder rückgängig gemacht werden kann. Ich sah nämlich auch an Kindern, dass sie noch ursprünglicher empfinden und einen besseren Instinkt haben. Instinkt: auch der wurde besser nach dem Fasten bzw. der Verbesserung der gesamten Menschlichkeit (wenn Körper, Geist, Seele heilen). Deswegen glaube ich, dass der Instinkt nur verschüttet ist und daher wiederkommt. Genuss und Verzicht: hat eher was mit Abhängigkeit zu tun, mit Prägung, mit Sucht. Nach meiner Erfahrung ist es so, dass die meisten gar nicht loslassen können, sie sind nicht stark genug, der Sucht bzw Gewohnheit zu entfliehen. Erst wenn bspw. über die Ernährung der Geist wieder stärker geworden ist, kann man neutraler, ohne den Suchtzwang, den Geschmack neu beurteilen und unabhängig von Prägung beurteilen. Nach dem Fasten oder mit längerer veganer Ernährung wird auch der Sinn für süß und salzig empfindsamer, alle Suppen im Restaurant oder wenn man eingeladen wurde schmecken zu salzig, und was früher kaum süß war, wie Zwiebeln und Karotten, wird deutlich süßer, es reicht auf einmal weniger süße und was man vorher noch vertragen hat an Süße, findet man zu süß.

Joachim vom Youtube Kanal Kohl und Kamera

Absolut deiner Meinung. Als Kind haben meine Eltern mir anerzogen immer Tee nur mit Zucker zu trinken, als ich vor ein paar Monaten meine Ernährung umgestellt habe, konnte ich mir einfach nicht vorstellen den Zucker im Tee wegzulassen. Es hat wirklich einige Monate gedauert aber jetzt kann ich meinen Tee auch ungesüßt genießen. Vorher hat es mir gar nicht geschmeckt. Seit einigen Monaten esse ich auch überwiegend vegan und ich merke dass es mir immer leichter fällt. Auch meine Geschmacksempfindungen haben sich seitdem verändert. Es ist wirklich auch eine Sache der Einstellung, ob man seine tief verankerten Grundeinstellungen was das Essen generell angeht überdenkt und aus alten Gewohnheiten neue macht.

eine Youtube Zuschauern

Mit meinen beiden eBooks helfe ich Dir einen neuen gesunden Geschmack zu entdecken:

Sprossenzucht leicht gemacht. Ein eBook mit exakter Erfolgsanleitung für das Keimen von 35 Sprossenarten! Du erfährst wie Du aus verschiedenen Getreidesorten grüne Gräser ziehen kannst und warum und wie lange Du Nüsse & Co einweichen solltest! Und als Sahnehäubchen gibt es für Dich über 80 rein pflanzliche Rezepte und Inspirationen mit Sprossen!

Gesund grün essen. Du erfährst alles über das wichtigste Kulturgrün – grünes Blattgemüse, Gartenkräuter und grünes Gemüse. Ich gebe Dir wichtige Informationen über grüne Mikroalgen an die Hand. Mein Lieblingsthema Sprossen und Grünkraut ist auch wieder mit dabei – diesmal beschränke ich mich allerdings auf grünblättrige Sprossen und Grünkraut. Ein großer Teil des eBooks widmet sich den wertvollen Wildpflanzen.

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FROHe Herzensgrüße

Deine Silke

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4 Gedanken zu “Geschmack ist eine Reaktion des Gehirns

  1. „Wildtiere besitzen ein Instinkt für die biologische Wertigkeit von Nahrungsmitteln.“ — Aber dennoch lässt sich der Geschmacksinn von Wildtieren durch unnatürlich veränderte Nahrungsmittel korrumpieren. Pflanze durch menschliche Züchtung entbitterten Raps neben einem Waldstück an und die Rehe (eigentlich Feinschmecker) werden nichts anderes mehr fressen und eingehen.

  2. Hallo Silke,
    Ich finde Deine Berichte immer sehr interessant und man kann sich viel abkucken was gesunde Ernährung betrifft.
    Mit dem Geschmack das kann ich nur bestätigen,der verändert sich mit der Zeit absolut.
    Die Chemie in der Nahrung legt warscheinlich auch die Geschmacksnerven lahm.
    Ich habe vor 2 Jahren aus gesundheitlichen Gründen (bei mir ging gar nichts mehr) meine Ernährung umgestellt auf vegan.
    Genauso mache ich einen ganz großen Bogen um jede Art von Chemie,Duftstoffe und Stress.
    Seit dem geht es mir mit 56 Jahren wieder super und ich bin top fit.
    Ich werde von meinem ganzen Umfeld belächelt und bemitleidet das ich auf Grillpartys kein Fleisch esse usw.aber zu bemitleiden sind eigentlich die die es noch essen.
    Ich habe an der Arbeit und in der Familie nur kranke Menschen um mich herum aber keiner will etwas von gesunder Ernährung wissen.
    Vor allem finde ich es auch für die Kinder schlimm.Aber es ist halt einfacher den Kindern Tropfen und Tabletten zu geben damit sie sich in der Schule konzentrieren können als sich Arbeit mit dem Essen zu machen.
    Gesunde Ernährung ist halt auch aufwendiger als Fastfood.
    Liebe Grüße
    Ute

    • Liebe Ute,

      herzlichen Dank für Deine Rückmeldung. Danke für das Teilen Deiner Erfahrung.

      Liebe Grüße
      Silke

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